23.03.2026: Politikpapier und Gutachten der Wissenschaftsplattform Klimaschutz
Die Wissenschaftsplattform Klimaschutz (WPKS) hat ein Politikpapier zurKlimaanpassung im föderalen System in Deutschland vorgelegt (Download unten auf dieser Seite). Ein Gutachten, das die Kernaussagen, Handlungs- und Forschungsempfehlungen des Politikpapiers ausführlicher kontextualisiert, steht ab dem 27.03.2026 ebenfalls auf dieser Seite zur Verfügung.
Ausgangspunkt des Papiers ist die Erkenntnis, dass der Klimawandel bereits heute erhebliche Auswirkungen auf Gesellschaft, Ökosysteme und Infrastruktur hat. Klimapolitik muss daher auf drei komplementären Säulen beruhen: dem Klimaschutz (Emissionsminderung), der Anpassung an den Klimawandel sowie der CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal, CDR).
Das Politikpapier zeigt Handlungs- und Forschungsbedarfe bei der Planung und Koordination und bei der Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen im föderalen Mehrebenensystem auf. Darüber hinaus nimmt die WPKS mögliche Wechselwirkungen zwischen Klimaanpassung und CO2-Entnahmen in den Blick. Innerhalb dieser drei zentralen Aufgabenbereiche identifiziert die WPKS insgesamt 18 Handlungs- und Forschungsempfehlungen.
Planung und Koordination der Anpassungspolitik
Klimaanpassung ist nicht nur eine politische Aufgabe, sondern ergibt sich auch aus den grundrechtlichen Schutzpflichten des Staates. Das Klimaanpassungsgesetz (KANG) verpflichtet Bund, Länder und Kommunen zur Erstellung von Klimarisikoanalysen sowie von Anpassungsstrategien und -konzepten. In zentralen Fragen der Anpassungsplanung bleibt es jedoch ebenso unkonkret wie die auf Bundesebene entwickelte Deutsche Anpassungsstrategie (DAS 2024) und die Bundes-Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) 2021.
Die WPKS empfiehlt deshalb, Anpassungsplanungen bundesweit an einheitlichen Annahmen zur Temperaturentwicklung auszurichten und Ziele sowie Leitlinien der Anpassungsplanungen zu konkretisieren.So können Finanzierungsbedarfe besser ermittelt werden. Die Leitlinien sollten Orientierung für Bund, Länder und Kommunen bieten, ohne die föderalen Kompetenzen und die kommunale Selbstverwaltung einzuschränken.
Finanzierung und Finanzierungsinstrumente
Die Finanzierung der Klimaanpassung wird im KAnG und der DAS bisher kaum behandelt, obwohl auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen Instrumente zur Verfügung stehen. Die WPKS zeigt diese auf und empfiehlt, Bundesmittel für Länder und Kommunen bereitzustellen, eine Balance zwischen lokaler Verantwortung und zentraler Steuerung zu finden. Klimaanpassung sollte verlässlich finanziert werden. Die WPKS regt dazu an, eine Zweckbindung von Mitteln nur maßvoll einzusetzen. Allgemeine Planungs- und Berücksichtigungsvorgaben sollten detaillierten Zweckbindungen bei der Mittelverwendung vorgezogen werden.
Die WPKS empfiehlt, politische Entscheidungen darüber zu treffen, ob die Anpassungsfinanzierung durch Umverteilung bestehender Mittel oder durch neue Einnahmequellen generiert wird und in welchem Umfang dabei ein solidarischer Ausgleich zwischen Ländern und Kommunen stattfinden soll. Klimaanpassung sollte nicht primär über Förderprogramme finanziert werden und Förderprogramme sollten reformiert werden, um Planungssicherheit und Zugänglichkeit zu erhöhen.
Darüber hinaus legt die WPKS nahe, einen Instrumentenmix als Alternative zu einer neuen Gemeinschaftsaufgabe und eine Erweiterung der Ausnahmen zur Schuldenbremse für Klimaanpassungsinvestitionen zu prüfen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und die Ausnahme sicherheitsbezogener Ausgaben von der Schuldenbremse adressieren Finanzierungsbedarfe für Klimaanpassung nur partiell. Prinzipiell rät die WPKS in ihrem Politikpapier dazu an, Anpassungsfinanzierung und Hilfsprogramme für Klimaschäden abzustimmen und so konsistente Finanzierungsanreize zu schaffen. Außerdem benennt die WPKS weitere Themenbereiche, in denen noch Forschungsbedarfe bestehen, beispielsweise geeignete Indikatoren zur Ermittlung von Anpassungsbedarfen, die mögliche Ausgestaltung einer kommunalen Pflichtaufgabe Klimaanpassung.
Verknüpfung von Klimaanpassung und CO₂-Entnahme
Mögliche Synergien und Zielkonflikte zwischen Klimaanpassung und CO2-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, kurz: CDR), werden in Forschung und Politik bisher kaum betrachtet. Die WPKS plädiert daher dafür, mögliche Wechselwirkungen systematisch zu untersuchen und geeignete Steuerungsinstrumente zu entwickeln, um Synergien zu nutzen, Anreize zu schaffen und Risiken frühzeitig zu minimieren.
Das dieser Veröffentlichung zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt unter den Förderkennzeichen 01LX2401A-D gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.